Kapitel 1

, by Vivi




Der erste Arbeitstag



Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.Mark Twain




Gähnend streckte ich mich in meinem warmen Bett und blickte müde auf den Wecker neben mir. Heute war seit langem mein freier Tag, bevor ich im neuen Büro zu arbeiten beginnen würde. Entweder hatte ich jene damit verbracht doch zu arbeiten, oder notwendige Anschaffungen zu machen.  Doch diesen Tag würde ich im Bett verbringen und den letzten Fall aus Seattle in Ruhe zu überdenken. Wir hatten nach Jahren endlich wieder jemanden der  „Most Wanted“ –Liste fassen können und diese meistgesuchten Personen waren hauptsächlich Schwerverbrecher.

Immer noch erschöpft vom Umzug, stand ich auf. Es war vier Uhr nachmittags und den langen Schlaf hatte ich mir gegönnt. Den schweren Stoff des bodenlangen Vorhangs zog ich zur Seite und mein Schlafzimmer wurde augenblicklich mit dem hellen Tageslicht durchflutet.

In meinem kleinen Garten lag eine dicke Schneeschicht, die seit einigen Tagen das Bild von Washington D.C. zierte. Schlaffen Schrittes ging ich die Treppe hinunter in meine überschaubare Küche und schaltete die Kaffeemaschine ein, legte eines der Brötchen, die ich gestern Abend noch gekauft hatte, auf den Toaster und holte Butter und Käse aus dem ansonst leeren Kühlschrank. Vielleicht wurde doch nichts aus meinem Tag voller Faulenzerei.  Kaum hatte ich einen Schluck meines Getränkes gemacht, merkte ich, wie sich meine Lebensgeister regten. Genüsslich verspeiste ich mein Frühstück, um danach unter die Dusche zu gehen.



Als ich aus jener hinausstieg, hatte sich der Dampf des heißen Wassers, im kleinen Bad verteilt und den Spiegel beschlagen. Mit einer Hand wischte ich eine Stelle frei und betrachtete mein Gesicht. Ich war dreißig Jahre alt, hatte keinen Mann, keinen Freund und erst recht keinen Liebhaber und ich war von allem noch Meilenweit entfernt. Seufzend strich ich meine feuchte Mähne nach hinten. Die kleine kaum sichtbare Narbe würde mich immer daran erinnern, was mir als Jugendliche zugestoßen war. Was mir meine leibliche Mutter angetan hatte…



Kopfschüttelnd verdrängte ich jegliche Gedanken an diese Frau und schnappte mir halbherzig eines der weichen Badetücher, damit ich jenes um meinen nassen Körper wickeln konnte. Ich tapste zurück in mein Schlafzimmer und zog mich rasch an, um danach mein Haar zu trocknen. Kaum war ich damit fertig, begann mein Handy zu läuten. Es gab nur wenige Leute die meine Nummer hatten. Entweder waren es meine Eltern oder die Arbeit.

„Swan“, sagte ich, nachdem ich den Anruf entgegengenommen hatte.

„Bella, wie schön, dass ich dich erreiche. Wie geht es dir?“

„Hi Sue. Mit geht es gut. Wie sieht es bei euch aus? Liegt auch so viel Schnee wie hier bei mir?“

„Uns geht es allen gut. Die Zwillinge spielen draußen vergnügt im kalten Weiß. Viel ist es zwar nicht, aber ich konnte sie nicht aufhalten das zu tun“, sagte sie lachend.

„Das freut mich“, antwortete ich und dann herrschte beklommene Stille.

„So, Bella, die Zwillinge kommen eben herein. Ich muss jetzt Schluss machen und ich wünsche dir viel Glück für morgen.“ Ich bedankte mich bei ihr und war froh darüber als wir auflegten.

Es war zwar nicht so als könnte ich Sue nicht leiden, keinesfalls; ich sah, wie sehr sie meinem Vater gut tat. Aber es war trotzdem schwer zu akzeptieren, dass Charlie eine neue Familie hatte und ich sogar noch Geschwister dazu bekam. Nicht als hätte Leah schon gereicht. Deshalb hatte ich mich auch von Seattle in einen anderen Bundesstaat so weit wie möglich versetzen lassen. In D.C suchten sie einen neuen Profiler und ich bekam den Job.



Ich wollte eben mein Handy auf die Kommode legen, als lautstark an meiner Haustür geklopft wurde.

„Moment, ich komme schon!“, rief ich vom ersten Stock hinunter und das Klopfen verebbte sofort. Sobald ich unten ankam, riss ich die Türe auf und zwei gut gebaute Männer standen vor mir.

„Special Agent Swan, mein Name ist Agent Smith und das ist mein Partner Agent O’Brien vom FBI“, sagte einer der beiden Typen und hielt mir seine Dienstmarke unter die Nase.

„Was kann ich für Sie tun? Ich beginne doch erst morgen zu arbeiten.“ Verwirrt blickte ich in die grimmigen Gesichter der beiden, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der Eine war eindeutig irischer Abstammung mit seinem kupferroten Haar und den unzähligen Sommersprossen im Gesicht und der andere war afroamerikanischer Abstammung.

„Assistent Director Bennett schickt uns, um Sie zu holen. Das ist keine Bitte, sondern ein Befehl. Ziehen Sie sich etwas Angemessenes an, holen Sie Ihre Dienstmarke und Dienstwaffe. Wir warten hier. Im Auto erklären wir Ihnen dann alles weitere.“



Schnell rannte ich in mein Schlafzimmer und schrie hinunter: „Kommen Sie ruhig herein und machen Sie es sich etwas gemütlich!“ Ich zog meinen Hosenanzug und eine passende Bluse aus dem Kleiderschrank und schlüpfte rasch hinein. Meine Dienstwaffe verstaute ich im vorgesehenen Holster und die Dienstmarke steckte ich in meine Hosentasche. Unten angekommen präsentierte ich mich fertig meinen Kollegen.

„Schneller als gedacht“, meinte Smith trocken, als er mich sah und marschierte auch schon aus meinem Haus. Im Schlepptau hatte er seinen Partner, welcher mir, nachdem ich die Haustür verschlossen hatte, die hintere Wagentüre des großen SUVs aufhielt.



„Wo fahren wir hin?“, erkundigte ich mich, während ich den Sicherheitsgurt anlegte. O’Brien reichte mir ein Tablet.

„Sehen Sie es sich an. Es wird ein paar Fragen erklären.“ Ich drückte auf Play und die Aufzeichnung eines Überwachungsvideos begann. Drei maskierte Personen sprangen aus einem verdunkelten Kleintransporter hinaus, stürmten in die Filiale der Bank of America und raubten jene aus. Bis dorthin etwas Alltägliches. Ich drückte kurz auf Pause und blickte aus dem Fenster des Autos. Etwas an dem Video bis hierhin ließ mich stutzig werden.

Weshalb sah einer der Bankräuber direkt in die Kamera, als würde er eine Botschaft überbringen wollen? Kopfschüttelnd sah ich mir das Video weiter an. Eine schwarzhaarige Frau wurde von dem Mann, der in die Überwachungskamera geblickt hatte, niedergestoßen. Währenddessen räumten die anderen Gangster das Schließfach leer. Doch dann kam etwas wirklich Unerwartetes für mich: Die Frau, die vermutlich ohnmächtig am Boden lag, wurde mit dem Mann, der neben ihr kniete entführt. Warum wurden nur die beiden entführt und niemand anders?, fragte ich mich und versuchte den Gedankengang der Täter zu verstehen. Denn schließlich war das mein Job.

„Wann war das?“, erkundigte ich mich bei meinen Kollegen, während wir mit Blaulicht durch die Straßen Washington D.C.s rasten.

„Vor einer Stunde“, kam die knappe Antwort von O’Brien, der an seinem Handy herumtippte.



„Wer sind die beiden?“, stellte ich meine Frage, nachdem ich mit das Video ein weiteres Mal angesehen hatte.

„Megan Young und Matthew Ashley. Beides Zivilisten und in keiner Verbindung mit den Tätern.“ O’Brien deutete mir an, ihm wieder das technische Gerät zu geben und nach ein paar Klicks erhielt ich es wieder zurück.

„Das sind die beiden.“ Auf dem Display waren zwei Führerscheine. Der eine aus Idaho und der andere aus Virginia. Die Frau auf dem Foto kannte ich…

„Special Agent Swan, ist etwas?“

„Der Name der Frau ist nicht Megan Young. Ich kenne sie. Leah ist meine Stiefschwester“, meinte ich ungläubig und betrachtete das Bild eingehender.

„Durchsuchen Sie alle Datenbanken, auf die wir einen Zugriff haben!“, verlangte ich bestimmend. Leah, in was hast du dich da nur hineingeritten? Zwar konnte ich meine Stiefschwester nie besonders leiden, aber dass sie Dreck am Stecken haben würde, hätte ich mir nie gedacht. Was sollte ich bloß tun?



Das Auto kam ruckartig zum Halten und ich blickte aus meinem Fenster. Auf der Straße standen unzählige Krankenwagen und Streifenpolizisten. Ich machte die Fahrzeugtüre auf und stieg mit dem Tablet in meiner Hand aus. Die Männer in Uniform hatten um den Tatort herum eine Absperrung gebildet. Als wir ihnen unsere Dienstmarken zeigten, ließen sie uns passieren.



„Special Agent Swan, ich bin Assistent Director Bennett, Ihr neuer Vorgesetzter und leite die Abteilung der Terrorismusabwehr.“ Ein großer Mann, ich schätzte ihn auf Mitte vierzig stand vor mir und streckte mir seine Hand entgegen, die ich mit festem Händedruck schüttelte. Seine Gesichtszüge änderten sich kaum, doch ich konnte erkennen, dass er davon beeindruckt war, dass ich mit solch einer Wucht zupackte. Nun ja, ich war hier auch in einer Männerdomäne und da musste man sich als Frau durchsetzen.

„Sir, es freut mich Sie kennen zu lernen.“ Er nickte mir kurz zu und deutete mir ihm zu folgen.

„Da Sie gerade die einzige verfügbare Profilerin sind, haben wir Sie heute schon gebraucht.“

„Natürlich, Sir.“

„Wie Sie sehen, handelt es sich hier um einen Banküberfall, jedoch erkenne ich keinen Zusammenhang zwischen dem Raub und der Geiselnahme.“ Müde strich er sich über sein Kinn. Er war bestimmt schon länger als vierundzwanzig Stunden auf, das erkannte ich sofort.

„Sir, vielleicht wollten die Täter auf Nummer sicher gehen?“, mischte sich nun Smith ein, der die ganze Zeit über uns nur still hinterher gegangen war.

„Nein. Es bestand zu keinem merklichen Zeitpunkt die Gefahr, dass sich die Exekutive einschalten würde. Weder wurde einer der Alarmknöpfe gedrückt, noch ein Notrufsignal abgesetzt. Hier stimmt etwas nicht“, sagte ich mit ernster Stimme und blickte mich am Tatort genau um. Um mich herum werkelte die Spurensicherung.

„Ist das das Blut des weiblichen Entführungsopfers?“, fragte ich und neben der Stelle in die Hocke.

„Special Agent, denken Sie nicht, dass dieser Fall zu persönlich für Sie wird?“, sagte O’Brien, der gerade zu uns herantrat. Der Commander sah von mir zu meinem Kollegen und wieder zurück.

„Bitte erklären Sie mir das“, forderte mein Vorgesetzter mich auf. Seufzend erhob ich mich.

„Ich denke, dass ich eines der Entführungsopfer kenne. Wenn ich nicht falsch liege, dann ist es meine Stiefschwester Leah Clearwater. Zweiunddreißig Jahre alt, geboren in La Push, Washington und derzeit wohnhaft in Forks, Washington mit Jacob Black.“ Ich tat mir schwer nach all den Jahren noch seinen Namen auszusprechen und gar an ihn zu denken.

„Dann überprüfen Sie das auf der Stelle!“



Smith deutete mir an ihm zu folgen. Wir gingen zurück zum Auto. Sobald die Türen geschlossen waren, begann er.

„Im Hauptquartier werden wir einen Scann laufen lassen und Sie werden uns bitte bestätigen, ob es sich bei der Frau dann um ein und dieselbe Person handelt.“

„Gut.“ Die restliche Fahrt verlief still. Das Auto wurde direkt vor dem Gebäude geparkt und wir gingen schnurstracks hinein, durch die Sicherheitskontrollen und fuhren mit dem Lift zu meiner persönlichen Überraschung nicht hinauf, sondern hinunter in den Keller, nachdem Smith eine Karte durch einen dafür vorgesehenen Schlitz gezogen hatte. Als sich die Türen des Aufzuges zur Seite schoben, kam mir diese Welt ganz anders vor.

„Seien Sie nicht so erstaunt. Sie sind aufgestiegen!“, lachte Smith neben mir und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. Es war so anders, viel moderner als in Seattle. Nicht dass es dort nicht die neueste Technologie gab, aber hier konnte man fast alles machen. Zu meiner Verwunderung standen viele bis zu den Zähnen bewaffnete Agents auf dieser Etage herum. Was hatte das zu bedeuten?

Mit einem kleinen Lächeln im Gesicht folgte ich meinen Kollegen und wir blieben mitten im Raum stehen. O’Brien drückte einen Knopf und ein riesiges Bild wurde projiziert. Sofort erschienen die Videoaufzeichnungen der Bankfiliale, die beiden Führerscheine der Entführungsopfer und was bis jetzt alles zusammengetragen wurde.



„Geben Sie hier bitte die gesuchte Person ein“, bat mich der Rothaarige und ich tippte Leahs Vor- und Zunamen ein, ihr Geburtsdatum und ihre Adresse. Ungläubig starrte ich auf das Suchergebnis: „Kein Treffer.“

„DAS kann nicht sein“, stammelte ich und zückte sofort mein Handy aus meiner Hosentasche. Ich wählte Sues Nummer. Vielleicht wusste sie etwas über ihre leibliche Tochter. Das Handy klingelte ein paar Mal, doch mein Vater nahm den Anruf entgegen.



„Bells, wie schön, dass du dich meldest. Sue hat mir erzählt, dass ihr heute schon geredet habt?“ Im Hintergrund war das Geschrei meiner Halbgeschwister zu hören und die Übertragung eines Spieles auf dem Sportkanal. Denn etwas anderes lief nicht im Haushalt meines Vaters im Fernsehen. Sport oder gar nichts, war seine Devise.

„Ja, Dad. Wo ist Sue eben?“ Nervös ging ich in dem Raum auf und ab und meine Kollegen verfolgten jeden meiner Schritte. Ich kam mir gerade selbst vor wie ein Verbrecher unter dem Blick ihrer Argusaugen.

„Sie kocht gerade. Kann ich dir vielleicht weiterhelfen?“ Ich überlegte kurz, ob ich ihn fragen sollte und entschied mich dafür.

„Du weißt nicht zufällig, wo Leah derzeit ist?“

„Leah, was brauchst du denn von ihr? Ich dachte, dass ihr euch nicht gut versteht.“ Augenverdrehend verlagerte ich mein Gewicht. Und ich hörte den Tonfall des Cops durch, den er immer aufsetzte, wenn ihm etwas Spanisch vorkam.

„Das spielt gerade keine Rolle.“

„Sie ist in New York, Sue hatte heute erst mit ihr telefoniert.“

„Danke, Dad.“ Rasch legte ich auf und wandte mich meinen Kollegen zu.

„Überprüfen Sie die Anruflisten dieser Nummern. Und jeden Flug, den sie mit diesem Namen getätigt hat. Auch wenn es persönlich wird, ich will wissen, welches Spiel sie spielt!“ Nachdem ich ihnen alles aufgesagt hatte, brauchte ich einen Kaffee.

„Wo kann ich mir hier etwas zu trinken holen?“, erkundigte ich mich und Smith wies mir den Weg an.



Ich war gerade auf dem Weg zurück zu meinen Kollegen, als ich aus einem Seitenflur laute Stimmen hörte. Zwei Männer standen vor einem verspiegelten Fenster und sahen gebannt hinein. Um sie herum standen noch mehr bewaffnete Männer. Was ging hier vor sich?

„Was hat das hier mit dem Geschrei auf sich?“, fragte ich gemäßigt und die beiden Herren wandten sich zu mir. Die anderen starrten weiter vor sich hin und schienen mich zu ignorieren.

„Zuallererst: wer sind Sie? Und was machen Sie hier unten?“ Die Verwirrung der beiden Herren war ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben.

„Special Agent Swan, die neue Profilerin. Ich komme gerade von einem Banküberfall. Wären Sie so freundlich mir zu sagen, was da drinnen passiert?“ Ich deutete auf meinen Ausweis, den ich an meinem Sakko trug und meine Dienstmarke, um meine Aussagen zu bekräftigen.



„Trotzdem sollte Sie nicht hier unten sein. Dafür müssen Sie eine besondere Berechtigung haben und die haben Sie nicht“, meinte der andere streng und musterte mich genau.

„Agent Smith und O’Brien haben mich auf Befehl des Assistent Director der CTD hier her gebracht.“ Nach einem kurzen Telefonat und meiner bestätigten Aussage – ich fühlte mich schon wieder wie eine Kriminelle – wurde ich durchgelassen.

„Es freut mich Sie kennen zu lernen, Special Agent Swan. Ich bin Special Agent-in-Charge Whitlock.“ Er war ein SAC, nicht irgendein Agent, sondern nur dem Vize Director, der eine Stufe über dem Assistent Director stand, Rechenschaft schuldig. Whitlock führte also diese Abteilung. Gut zu wissen.

„Sir.“ Ich nickte ihm zu und betrachtete ihn genau. Er war Ende dreißig, hatte blondes etwas längeres Haar und konnte an seinem linken Ringfinger erkennen, dass er einmal verheiratet gewesen sein musste, da nur ein ganz leichter Unterschied zur restlichen Hautfarbe bestand.



„Sehen Sie selbst, vielleicht können Sie die harte Nuss dort drinnen knacken, ich bin mal kurz weg“, lachte Whitlock, der mir die Berechtigung gab mit demjenigen, der da drinnen saß zu reden, und ließ uns dann allein. Neugierig drehte ich mich zur Seite und erstarrte.  Der Mann, der da in dem Verhörzimmer saß, war nicht irgendjemand. Nein, sein Name war Edward Anthony Cullen und die Nummer drei der meistgesuchten Verbrecher in den USA. Jeder FBI Agent kannte diese Listen. Ein Kopfgeld von über fünfzehn Millionen Dollar war auf ihn ausgesetzt gewesen. Und nun war er leibhaftig hier. Hier beim FBI in Gefangenschaft. Kein Wunder, dass diese Etage wie Fort Knox gesichert wurde und Cullen in Ketten lag.

„Sagen Sie schon, weshalb haben Sie es uns so leicht gemacht, Sie dieses Mal zu schnappen? Was haben Sie vor?“ Ein Grinsen bildete sich in dem Gesicht des Mannes. Er zeigte keine Regung auf die Annäherung oder den Lautstärkenwechsel des Ermittlers. So jung und schon so gesucht, dachte ich bei mir. Was war bloß in seinem Leben geschehen, damit er auf die schiefe Bahn kam?



„Ich lasse Sie jetzt ein paar Minuten überlegen, vielleicht fällt Ihnen dann etwas ein.“

„Wie lange sitzt er schon dort drinnen?“, erkundigte ich mich bei meinem Nachbar.

„Drei oder vier Tage?“, kam es von ihm und sein Kollege trat erschöpft aus dem Zimmer.

„Ich weiß, dass Special Agent Isabella Swan hier ist. Ich möchte ausschließlich mit ihr reden“, sagte er plötzlich mit ruhiger Stimme und blickte genau auf den Spiegel wo ich stand. Geschockt stand ich da. Woher wusste er das? Das Stück Glas war verspiegelt, sodass er uns hier draußen nicht sehen und innen nicht hören konnte, was nicht hieß, dass wir ihn weder hören noch sehen konnten. Der Mann neben mir starrte mich an.

„Kennen Sie ihn?“

„Nicht persönlich, aber das wird sich gleich ändern, wenn ich darf“, sagte ich, da mich dieser Mann so faszinierte und deutete dabei auf die Türe. Die Chance mit diesem Kriminellen zu reden, wollte ich mit Sicherheit nicht verpassen.

„Ich werde den SAC informieren, wenn ich das Okay bekomme, dann dürfen Sie.“ Er zog sein Handy heraus, drückte eine Taste und fragte nach, er nickte mir zu.

„Sie dürfen.“

„Glauben Sie bloß nicht, dass er jetzt alles ausplaudert, nur weil Sie eine Frau sind“, meinte der Agent, der aus dem Zimmer gekommen war.  Sexistisches Arschloch, dachte ich und trat mit dem Kaffeebecher in der Hand und sicheren Schrittes in den Raum hinein.

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