Kapitel 6
Die Lektion
„Es ist so leicht, andere, und so schwierig, sich selbst zu belehren.“ – Oscar Wilde
„Lily ist nicht ihre leibliche Tochter, oder?“, stellte ich meine Frage oder eher meine Vermutung an Cullen. Während ich mir die Familienfotos der Newtons angesehen hatte, war mir aufgefallen, dass die Iris der vermeintlichen Eltern bei keinen der beiden blau pigmentiert war, Lilys aber schon. Es war sehr unüblich aufgrund der Genetik, dass sich das rezessive Gen durchsetzte, vor allem, wenn keiner der näheren Verwandten diese Farbpigmentierung vorweisen konnte. Michaels waren grün, Jessicas braun und deren Eltern hatten ebenfalls die gleiche Färbung, wie die ihrer Kinder. Deshalb war es sehr fragwürdig, dass Lily plötzlich blaue hatte. Die einzig andere Möglichkeit wäre, dass Newton nicht der Vater wäre und das Mädchen dadurch ein Kuckuckskind. Vielleicht traf er auch deshalb keine Maßnahmen um seine Tochter wiederzubekommen.
„Gut erkannt. Nein, sie ist mit keinen von beiden blutsverwandt. Und da ist es egal was die Geburtsurkunde sagt.“ Diese Gelassenheit mit er dies gesagt hatte, erstaunte mich. Es schien, als wüsste er immer genau, was ich von ihm haben wollte. Als wäre ihm klar, welche Frage als nächstes kommen würde und war mir anscheinend auch immer drei, wenn nicht sogar mehr Schritte voraus. Langsam bereute ich es, dass ich ihn bei meinem Gespräch mit Sue hatte mithören lassen.
„Aber es gibt Beweise, dass Jessica Newton schwanger war“, wandte mein Kollege rasch ein, damit er nicht nur untätig dastand.
„O’Brien, Ihnen ist es sicher nicht in den Sinn gekommen, dass sie vielleicht ihre Schwangerschaft nur vorgetäuscht oder ihr Kind verloren hat und dann ein neues Baby bekam. Newton gehört zu einem Kartell, das sich unter anderem auch auf Menschenhandel spezialisiert hat. Wie leicht wird es dann für ihn sein, ein Baby, das ähnliche Merkmale wie die beiden aufweist, zu beschaffen?“
Gelangweilt lehnte sich Cullen nun an den Tisch und verschränkte seine Arme vor der Brust. O’Brien sah Cullen ertappt an und mein Gegenüber schüttelte nun lustlos den Kopf.
„Ich hab es doch gesagt, nur Idioten sind hier unterwegs, außer dir, Bella.“ Theatralisch nahm er seine Hände hoch, um diese dann auf sein Gesicht zu legen. Mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete ich sein Theater. Als er mich wieder anblickte, rang er sich ein zaghaftes Lächeln ab, als würde er etwas bedauern, was er gesagt hatte. Jedoch im nächsten Augenblick sah er O’Brien mit so einem verschmitzten Grinsen an, als wäre mein Kollege sein nächstes Opfer, dass ich einschreiten musste.
„Was machen wir mit Cullen? Wurden präventive Maßnahmen bezüglich vorhandener Fluchtgefahr ausgehandelt?“, erkundigte ich mich bei meinem Kollegen und tat so, als wäre der Genannte nicht im Raum. Der Schwerverbrecher begann schallend zu lachen, als hätte ich eben gefragt, ob die Welt eckig und nicht rund sei. „So einen guten Witz habe ich seit Jahren nicht mehr gehört, Bella. Du bist dir im Klaren, dass ich meinen Kunden anbiete, sie innerhalb ein paar Stunden aus dem Land verschwinden zu lassen. Weshalb sollte ich es dann nicht auch bei mir können und da ist es egal, was ihr mir einpflanzt, wenn ich möchte, dass ihr mich nicht findet, dann tut ihr es auch nicht. Und es besteht keine Fluchtgefahr, dafür hat das hier alles einen zu großen Stellenwert für mich.“
„Apropos Chip, der Doc wird in Kürze vorbeikommen um den Peilsender zu implantieren“, meinte nun O’Brien.
„Hätte ich das nicht erwähnt, hätte er bestimmt drauf vergessen.“
Cullens Großkotzigkeit ließ mich laut ausatmen. Konnte er es nicht lassen meinen Kollegen permanent schlecht zu machen? War es einer der Dinge, die dieses Spiel für ihn so interessant machte? Andere klein zu halten um sich selbst zu profilieren? Oder wollte er etwas hinter dieser Fassade verstecken? Ein Geheimnis vielleicht? Eine Schwäche?
„Mister Cullen, ich bitte Sie Ihr loses Mundwerk im Zaum zu halten. Diese Anschuldigungen bringen nichts. Soll ich Ihnen wie den Kindergartenkindern Sandkastenförmchen in die Hand drücken, damit Sie mit diesen in der Gegend herumwerfen können?“ Belustigt sah mich der Angesprochene an und wollte etwas erwidern, doch ich fuhr unbeirrt fort, „Denn genau das ist das Niveau, auf dem Sie sich gerade befinden. Sie denken, Sie sind klüger, besser und gewiefter als wir, blicken auf uns herab, als wären wir der Abschaum der Welt. Doch Sie sind es, der sich hier zum Idioten durch Ihre Sprüche macht. Und kommen Sie mir nicht mehr so nahe wie eben beim Telefonat, sonst sehe ich mich gezwungen andere Saiten aufzuziehen und sei es Deal hin oder her.“ Böse starrte ich ihn an.
„Ich bitte dich, Bella-“
„Nein. Sparen Sie sich Ihre Erklärungen, ich will diese nicht hören.“ Amüsiert nickte er mir zu. „Und, O’Brien, sehen Sie zu, wo der Doc bleibt.“ Wortlos ging mein Kollege aus dem Raum. Seufzend fuhr ich mir durch mein Haar. Weshalb war das alles so kompliziert? Irgendwie bereute ich es, dass ich Seattle und mein gut eingespieltes Team verlassen hatte.
„Wieso weiß deine Stiefmutter nichts von deinem Job?“, fragte Cullen plötzlich und ich blieb in meiner Bewegung wie eingefroren.
„Wie bitte?“ Mit zusammengezogenen Augenbrauen lehnte ich mich nun gegen die kalte Betonwand der Zelle. Meine Arme ließ ich an meinen Seiten herunterbaumeln und meine Füße überkreuzte ich leicht.
„Weshalb Sue nicht weiß, dass du Profilerin beim FBI bist.“ Wusste er es etwa nicht? Gab es etwas, worüber Edward Cullen keine Information über mich hatte.
„Bevor ich es verrate, würde ich gerne Ihre Theorie dazu hören.“ Überlegend strich er sich über sein Kinn und kam einen Schritt auf mich zu.
„Die Tatsache, dass es ihr das Herz zerreißen würde, dass du bei einem Einsatz ums Leben kommen würdest, kann ich schon einmal vergessen. Das Gespräch war wirklich sehr aufschlussreich. Sie weiß nicht einmal wer sich genau hinter ihrer ach so tollen Tochter versteckt. Es ist ein Wunder, dass du als Profilerin das ebenfalls nicht bemerkt hast. Entweder ist die Wölfin eine sehr gute Schauspielerin oder du warst davon geblendet, dass keiner in deiner Familie ein kriminelles Superhirn sein könnte. Nun ja, zurück zum eigentlichen Thema: meine Hypothese wäre es, dass du es ihr nicht gesagt hast, da sie sonst noch mehr Angst vor dir hätte – wobei, hoppla, du weißt doch gar nicht, dass Sue nur zu dir so böse ist, weil sie sich vor dir fürchtet.“
Ein Lachen, das ich sofort als Husten tarnte, entschwand mir. Es war wirklich lächerlich, doch ich wartete auf Cullens Erklärung, „Denn schließlich weiß sie, dass du einen Doktor in Psychologie hast und somit Leute und ihre Ticks sofort erkennen kannst. Und wenn ich dir sage, dass sie ganz dunkle Geheimnisse hat, dann ist des Rätsels Lösung auch nicht mehr weit. Denn was fürchten viele Menschen am meisten, genau, dass ihre bösen Taten ans Licht kommen, dass man ihre Ticks und Macken entdeckt und gegen sie verwendet. Und Sue ist es nicht geheuer, dass du ihre Beziehung so gut verkraftet hast, da sie ja schon sehr lange ein Augen auf Charlie geworfen hatte.“ Mit weit geöffneten Augen blickte ich ihn nun an. Wie bitte?
„Also zusammengefasst: Sue hat Angst vor mir, weil ich ihre dunklen Geheimnisse aufdecken würde – ich habe keine Ahnung welche das sind – um sie gegen sie zu verwenden, weil ich ihre Beziehung zu meinem Vater nicht gut finden könnte. Das ist ja trivial und lächerlich.“
„Nicht für sie.“ Kopfschüttelnd stand ich da und hörte, wie Cullen wieder näher kam. Warnend richtete ich meinen Blick auf ihn.
„Aber gut. Um ehrlich zu sein, ich habe nicht wirklich eine Idee, weshalb Sue es nicht weiß. Ich bin mir nur darüber im Klaren, dass sie denkt, dass du Psychologin bist und deine Praxis nach D.C. verlegt hast, da du eine Art Selbstfindungstrip hast.“ Cullen kam noch einen Schritt näher und stand mir somit gegenüber.
Meine lockere Haltung hatte ich aufgegeben und verkrampfte mich nun, um jederzeit gewappnet zu sein. Er schien dies zu merken und sagte: „Ach, Bella, entspann dich doch etwas. Hier will dir niemand etwas tun.“ Seine linke Hand legte er auf der rechten Seite meines Kopfes auf die Wand. Das war zu nah, viel zu nah und mir reichte es. Wenn ich jetzt gleich ein Disziplinarverfahren am Hals hatte, war mir das egal. Ich hob meinen rechten Arm, ballte meine Hand zu einer Faust und wollte ihn gerade eine ins Gesicht pfeffern, als er meine Finger in seiner Hand abfing, mich umdrehte und meinen Rücken an seine Brust presste. Nun lag mein rechter Arm um meinen eigenen Hals und Cullen hätte nur noch fester ziehen müssen und er hätte mir die Luftzufuhr abschneiden können.
„Nahkampf ist nicht so deine Stärke, wie ich sehe. Ebenso das Schießen. Deine Werte sind nicht gerade sehr berauschend, das müssen wir ändern, für das, was ich vorhabe, sonst bist du in einem Augenblick tot. Ein Projektil genau zwischen den beiden Augen hindurch. Das wäre doch nicht gut.“
Mit meiner linken freien Hand versuchte ich mit aller Kraft mit meinem Ellbogen in seinen Bauch oder auf seine Rippen zu treffen, damit er vielleicht als Schockreaktion seinen Griff lockerte. Doch nichts passierte, außer dass mein Ellbogen nun schmerzte.
„So leicht kannst du mir nicht wehtun Der Doc und O’Brien werden sicher gleich kommen und ich möchte keinen schlechten Eindruck bei ersterem hinterlassen, denn ich hoffe, dass er mich in Zukunft ordentlich zusammenflicken wird. Und ungleichmäßig verheilte Narben sind grässlich.“ Ruckartig ließ er mich los und schlagartig wurde mir bewusst, dass er das alles geplant hatte. Dass er mir absichtlich so nah gekommen war, um einerseits meine Reizgrenze auszutesten und andererseits mir eine Lektion zu erteilen, dass er hier der körperlich Stärkere war und nicht ich. Schwer schluckend blickte ich ihn an. Mein Herz raste in meinem Brustkorb und ich schwitzte am ganzen Körper. Dieser Mann war arrogant, selbsteingenommen und so abweisend, dass es schwer war, ihm irgendeine Art von Sympathie entgegen zu bringen. Ich fragt mich immer mehr, wie ich mit ihm zusammenarbeiten könnte, wenn er mir ständig zeigen musste, dass er der Bessere von uns beiden war. Mich wieder an die Wand lehnend, massierte ich meinen schmerzenden Ellbogen.
Einige Minuten der Stille vergingen bis die Tür geöffnet wurde und O’Brien mit dem Doc, der mich zusammengeflickt hatte, in den Raum trat.
„Mister Cullen, wenn Sie bitte Ihren Oberkörper frei machen könnten“, sagte der Arzt und stellte seinen Koffer auf den metallenen Tisch. Jenen öffnete er, während Cullen sein Hemd auszog. Auf der Innenseite seines rechten Oberarmes hatte er ein Tattoo. Was es jedoch war, konnte ich nicht richtig erkennen, außer, dass viel Schwarz, Grau und Rottöne vertreten waren. O’Brien stellte sich neben mich und beobachtete jede Bewegung der beiden mit Argusaugen. Ich schloss für einen Augenblick meine Lider um etwas abzuschalten. Schließlich war ich schon lange auf den Beinen und brauchte dringend Schlaf. Ich hoffte, dass ich bald nachhause, mich in mein kuscheliges Bett werfen und entspannen konnte. Vielleicht würde ich mir heute auch ein langes Bad in meiner Badewanne gönnen…
„Fertig“, meinte der Arzt und ich schlug die Lider wieder auf. Ich musste eindeutig etwas eingenickt sein, denn ich fühlte mich gleich eine Spur frischer und munterer.
„Da wir nun alles erledigt haben, würde ich aber zu gerne Whitlock persönlich treffen. Ich weiß zwar viel über ihn, hatte aber noch nie das Vergnügen ihm direkt in die Augen blicken zu können.“ Ich schaute zu O’Brien, der immer noch neben mir stand und Cullen vermutlich wegen seiner verbalen Attacke liebend gerne einen Dolch in den Rücken rammen würde. Weshalb nahmen Männer ihre Niederlagen so zu Herzen? Cullen deutete ich an, dass er mir folgen solle und wir setzten uns in Bewegung. Als wir aus dem Raum traten, erwartete uns schon die kleine Armada von bewaffnete Männern. Sofort brachten sich jene vor und hinter uns in Stellung.
„Hast du keine weiteren Fragen über deine Stiefschwester? Über deine Stiefmutter konnte ich dir ja schon einen kleinen Einblick geben“, erkundigte sich Cullen nach ein paar Minuten der Stille.
„Weshalb erzählen Sie es mir nicht.“ Ich war der Spielchen müde und konnte mir besseres vorstellen, als jetzt noch „20 Fragen“ zu spielen, oder was er auch im Kopf vorhatte. Dieser Mann war in keiner Weise transparent, sondern eine dicke Betonwand, die ich erst einreißen musste und mit einem Vorschlaghammer kam ich da nicht weit, da musste ich schon mir schon etwas anderes ausdenken, vor allem nach der kleinen Lektion, die er mir gerade erteilt hatte.
„Erstens, über die förmliche Form sind wir schon lange hinweg, Bella, wie oft denn noch? Zweitens, ich tratsche nicht gerne frei heraus, sondern bekomme lieber Fragen gestellt, das macht es um so vieles interessanter, oder etwa nicht?“ Er blieb stehen und ich tat es ihm gleich. Meinen Kopf leicht in den Nacken legend sah ich ihm ins Gesicht. Widersprach er sich da gerade nicht selbst? Hatte er nicht frei über Sue gesprochen, über ihre Angst, dass ich ihr dunkles Geheimnis lüften konnte?
„Habe ich meine Stiefmutter angelogen, als ich ihr gesagt habe, dass wir sie finden werden.“ Ich blickte ihm direkt in die Augen um ein Blinzeln, ein Zucken oder jegliche andere Bewegung, die auf eine Lüge hindeuten könnten, zu erkennen, doch da war nichts als er mir antwortete.
„Nein, hast du nicht, aber der Zustand in dem wir sie finden, ist doch das Wichtigere.“
„Wer ist wir?“ Verwirrt zog ich die Augenbrauen zusammen und legte meinen Kopf leicht schief.
„Du und ich, vielleicht auch diese nutzlosen Kollegen von dir. Ich überlege, ob es mir wert ist meine Kontakte spielen zu lassen oder nicht. Das werde ich spontan entscheiden.“ Plötzlich setzte er sich wieder in Bewegung und ich starrte ihm kurz verdattert nach. Hatte er eben meine Kollegen als ineffizient beschrieben?
„Willst du dort Wurzeln schlagen, oder zeigst du mir den Weg?“, fragte Cullen amüsiert und tippt ungeduldig mit seiner Schuhspitze gegen den Beton. Hmmm… ich hatte etwas Neues an ihm entdeckt, anscheinend wurde er schnell ungeduldig, wenn er das nicht bekam was er wollte.
„Weißt du, was ich mich eben frage?“, erwiderte ich und blieb an meiner Stelle stehen. Meine Arme verschränkte ich vor der Brust und wartete darauf, dass er sich deshalb erkundigte.
„Erleuchte mich mit deinen Gedanken.“ Er kam mit einigen Schritten auf mich zu. Lächelnd blickte ich ihn an, zuckte flüchtig mit den Schultern und ging weiter. Ich wartete gar nicht darauf ob er mir folgte oder nicht, sondern marschierte durch die Flure, bog einmal rechts, das nächste Mal links ab und hielt dann vor der Tür des Kontrollraumes. Als ich mich umdrehte, stand Cullen hinter mir und er sah mich verwundert an.
„Was sollte das denn? Du hast mich da einfach mit den Männern alleine gelassen, das war unfair.“
„Ich bin nicht deine Babysitterin, Cullen und du bist groß genug, um auf dich alleine aufzupassen. Oder soll ich dir noch vorm Schlafen gehen eine Gute Nacht Geschichte vorlesen und unter dem Bett nachsehen, ob ja keine Monster darunter versteckt sind?“, fragte ich ihn provozierend. Doch zu meiner Überraschung winkte er mit der Hand ab.
„Das brauche ich schon lange nicht mehr, aber vielleicht sollte man in deinem Haus nachsehen, ob nicht ein paar Wanzen versteckt sind.“ In diesem Augenblick wurde aus Spaß Ernst und mir war nicht danach, diese sehr realistische Vermutung ins Lächerliche zu ziehen. Zwar war es bei mir Standardprozedere, dass ich meine Wohnung alle Monate absuchte und mit bester Technik schützte, aber das hieß nie, dass mir etwas entging.
„Weiß ich etwas nicht?“
„Alles zu seiner Zeit, also, wo ist Whitlock jetzt?“ Ich öffnete die Tür und das rege Treiben in dem Kontrollraum, wie das fleißiger Bienen in ihrem Bienenstock, blieb stehen, als meine Kollegen Cullen wahrnahmen. Er marschierte hoch erhobenen Hauptes und seiner Präsenz bewusst durch den Raum hindurch zu dem SAC. Augenverdrehend, weil ihn wirklich jeder anstarrte, folgte ich ihm.
„Whitlock, es freut mich Ihnen endlich gegenüber zu stehen. Ich habe von Ihrer Scheidung gehört, welch eine Schande. Aber ich hätte Ihnen von Anfang an sagen können, dass Maria nichts für Sie war.“ Cullen sprach einen bemitleidenden Ton, doch jeder wusste, dass es nicht ernst gemeint war. Und ich hatte an Withlocks Hand gemerkt, dass er einen Ring getragen hatte und woher Cullen das schon wieder wusste, war mir schleierhaft.
„Mein Privatleben geht hier niemanden etwas an und Sie erst recht nicht, Cullen. Und die Freude liegt nicht auf meiner Seite, solange Sie nicht wieder in Ketten gelegt oder hinter Gittern sind.“
„Ich bitte Sie, so schlimm ist es doch nicht und es ist schließlich nur fair, dass ich etwas über Sie ausplaudere, nachdem ich Bellas Vergangenheit ein klein wenig enthüllt habe.“ Gemächlich ließ sich Cullen auf seinen Sessel nieder und lehnte sich entspannt nach hinten, als wäre er nicht von FBI-Agents umzingelt, sondern von Freunden mit denen er bei Bier und Knabbereien leger zusammensitzen würde, um über Alltägliches zu sprechen. Aber vielleicht war das auch für ihn alltägliches Gerede. Schließlich lebte er in einer Welt, die nur so vor Gefahren und Drohungen strotze, in welcher derjenige das bessere Blatt in der Hand hatte, wenn er mehr über das Leben und den Gepflogenheiten seines Gegenspielers wusste. Jedoch war es von Vorteil, wie man sein gutes Blatt nutzte.
„Das tut hier nichts zur Sache. Helfen Sie uns lieber bei unserem Fall.“
„Das würde ich gerne tun, nur davor möchte ich gerne hören, was Ihre Einheit schon alles an Information zusammengetragen hat.“ Whitlock schnaubte laut und blickte mich flüchtig an. Ich nickte ihm zu und versuchte ihn mit einem freundlichen Gesichtsausdruck aufzuheitern.
„Der Banküberfall ist Ihnen klar und der Anschlag vor der National Gallery of Art war Ihnen ebenfalls bekannt. War nun der Unfall mit Jessica Newton nur ein Zufall oder Absicht?“, meinte der SAC.
„Sie haben es eben mit Unfall betitelt. Ist dieses Wort nicht damit in unseren Köpfen versehen, dass etwas unabsichtlich passiert? Ich würde es als Attentat bezeichnen. Haben Sie schon die Person, die im Auto war identifizieren können?“ Weshalb wusste er das nicht? Oder tat er nur so als ob? Seine Wortwahl war ebenfalls sehr interessant. Ein Attentat. Das hieß, es war geplant. Ich musste mir eindeutig nochmals das Video ansehen und ein Profil zu den Tätern erstellen, vielleicht würde uns das weiterhelfen.
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